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Wilhelm Holzamers 99. Todestag

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Wilhelm Holzamer? Nie gehört! Heute ist sein 99. Todestag –  ein Rückblick auf die abenteuerliche Geschichte seiner Urne

390px-WilhelmHolzamer1904Wenn wir es ein wenig offiziell schreiben müssten, würden wir den zu Unrecht vergessenen Wilhelm Holzamer (28. März 1870 – 28. August 1907),  so vorstellen:
Geboren  in Nieder-Olm/Rheinhessen und in Berlin gestorben.
Nach seiner Ausbildung arbeitet er zunächst als Lehrer in Heppenheim, danach als Kabinettsbibliothekar und 1901 als Leiter der Darmstädter Spiele auf der Mathildenhöhe in Darmstadt (einem der Zentren des Jugendstils) und schließlich als Kulturkorrespondent deutscher Zeitungen und freier Schriftsteller in Paris und Berlin.

Hauchen wir den trockenen Informationen etwas mehr Farbe ein. Erzählen wir von ihm als Mensch und seinem Kampf gegen Konventionen und für die persönliche Freiheit, für Gleichberechtigung der Frauen, und natürlich muss auch die Geschichte seiner damals skandalösen Liebe erzählt werden. Weiterlesen

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Was passiert mit Friedhöfen in Geisterstädten

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Was passiert mit Friedhöfen in Geisterstädten und im Braunkohleabbaugebiet Garzweiler?

Mein Mann und ich sind erst vor 1 ½ Jahren beruflich mit dem Thema Sterben, Tod und Bestattungskultur in Berührung gekommen. Anlass war die Umsetzung einer sehr alten Idee, die von uns erstellten privaten Biografiebücher auch in anderer Form als digitale Nachrufe anzubieten. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir viel dazugelernt, – durch Bücher, neue Kontakte wie z. Bsp. die Künstler und Dienstleister, die wir auf den Seiten der Kleinen Chronik unter „das Besondere“ anbieten, sowie der Besuch bei unserer Autorin Constanze Junkers in Elgershausen. Auch das vor kurzem geführte Interview mit Magarete Rosen von Therapeutic Touch West war ein weiterer und fruchtbarer.
So kamen immer weitere Facetten dazu, und auch die eigene Wahrnehmung ist natürlich geschärft. Jeder von uns kennt das. Ein Beispiel: Sie kaufen sich ein neues rotes Auto und haben richtig Freude daran. Plötzlich fällt Ihnen auf, wieviel rote Autos es gibt. Vorher war Ihnen das nicht bewusst.
So ergeht es nun auch meinem Mann und mir. Immer wenn das Thema in den Medien oder im privaten Umfeld gestreift wird, hören wir genauer hin. So entspann sich auch in einer Diskussion die Frage „Was passiert eigentlich mit den Friedhöfen von Geisterstädten?“. Beispielsweise Garzweiler, wo ganze Dörfer dem Braunkohleabbau weichen mussten, Menschen zwar entschädigt aber entwurzelt wurden. Was passiert nun mit den Familiengräbern? Werden die Verstorbenen umgebettet? Gibt es einen jüdischen Friedhof in dieser Gegend? Dann ist ein Umbetten unmöglich, sind diese doch ohne jede Liegezeit wie bei uns, sondern für die Ewigkeit angelegt.
Nun gibt es auch das Internet, und in unserer Recherche fand ich zwar keinen Hinweis auf jüdische Friedhöfe, aber ich fand einen jungen Mann, Arne Müseler, aus Salzburg, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese verlassenen Orte, die Heimat und die Erinnerungen digital zu bewahren. Damit ist seine Idee der unseren sehr ähnlich und hat mir dann auch gezeigt, dass die Friedhöfe tatsächlich gesondert behandelt werden. Es findet eine Umbettung statt. Lesen Sie hier mehr und vielleicht kann ich Sie genauso begeistern für dieses Projekt. Wie wir, ist auch dieses Projekt auf Facebook zu finden . http://garzweiler.com/haeufige-fragen/#faq/was-passiert-mit-den-friedhoefen

 

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Leichenbruderschaft-Elgershausen

Die Leichenbrüderschaft Elgershausen

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Die Leichenbrüderschaft Elgershausen

Das nordhessische Elgershausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Schauenburg im Naturpark Habichtswald an der Bauna. Dort wohnt Constanze Junker, eine unserer Autoren von Quintessenz.

Sie erzählte mir von einem Brauch der „Leichenbruderschaft Elgershausen“, und hätte ich sie zufällig Pfingsten besucht, so hätte ich mich doch sehr gewundert. Pfingsten feiert der Ort das traditionelle Heimat- und Schützenfest der Leichenbrüderschaft und am Pfingstsonntag sieht man am Nachmittag viele Menschen an  den Straßen und einen Pfingstumzug, der mir teilweise wie eine Mischung aus Fasching, Halloween und mexikanischem Totensonntag vorgekommen wäre. Sie wissen schon, in Mexiko, wo die Angehörigen mit Essen und Trinken zu den Gräbern der
Verstorbenen ziehen und ein fröhliches Fest veranstalten.

In Nordhessen hingegen zogen mit Traktoren gezogene Umzugswagen vorbei, Reiter, Musketiere, Tigerenten und Handkarren, radschlagende Jugendliche, Blasorchester und und und …  Vereine, Familien waren nach Themen kostümiert, unter anderem wie zum Karneval oder zu  Halloween. Am Rand standen begeisterte Besucher, die dann auch „bewirtet“ wurden: Mit Schnucke für die Kinder (nordhessisch für Süßigkeiten), Kuchen und Limonade, Bier etc..

Frau Junker erzählte mir, wie viele Stunden Arbeit die Gruppen alljährlich in diesen Umzug stecken, von Material und Geld ganz zu schweigen. In diesem Jahr nahmen 33 Vereine, Gemeinschaften und Unternehmen daran teil. Jedes Jahr denken sich die Teilnehmer ein anderes Thema aus, ab Herbst wird gebaut und gebastelt, denn für die Vereine und Gemeinschaften gibt es einen kleinen Wettbewerb, den eine eigens  berufene Jury  wertet. Diese Vielfalt macht den Festzug für die Besucher jedes Jahr erneut interessant und bunt.
Kaum zu glauben und sehr erstaunliche ist auch, dass dieser Ausnahmezustand am Pfingstsonntag in Elgershausen seinen Ursprung im Jahr 1620 hat und der Brauch Jahrhunderte überdauerte. Kriege und Notzeiten waren kurze Unterbrechungen, dann setzte  die Leichenbruderschaft Elgershausen den jährlichen Festzug fort.

Vor 396 Jahren war die Not unter der Bevölkerung des Landgrafen Moritz (dem Gelehrten) groß, ja so groß, dass die Bevölkerung ihre Toten nur in Stroh umwickelt beerdigten, da kein Geld für einen Sarg da war. Der Landgraf besaß im Ort einen Zwinger für seine Jadghunde, die Bracken, und erfuhr bei einem Jagdaufenthalt davon. Er veranlasste daraufhin die Gründung einer „Leichenbrüderschaft“.
Er gab damals 100 Taler als Stiftungskapital und im Sterbefall eines Bruderschaftlers musste jedes Mitglied einen Groschen geben, damit für den Verstorbenen ein Sarg gekauft werden konnte. Das wurde in dieser Form bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts beibehalten. Es gibt Aufzeichnungen, dass ein “ Leichenbesteller“ gewählt war, der den Auftrag hatte, den Groschen bei allen einzusammeln. Einen monatlichen Beitrag gab es erst nach 1860.

Und was hat das jetzt mit dem Umzug zu tun? Landgraf Moritz stiftete damals auch noch eine Fahne und eine Trommel, die man am Stiftungstag jedes Jahr beim Schützenfest  herausholte und durch das Dorf trug. So ist dieser Umzug heute noch eine stark abgewandelte Form, den Landgrafen zu ehren. Und eines ist sicher: Im Jahr 2020 jährt sich die Gründung der Leichenbrüderschaft Elgershausen zum 400.sten Mal – bis dahin wird es noch drei „normale“ Festzüge geben, aber für das große Ereignis wird jetzt schon gespart :-)

<https://de.wikipedia.org/wiki/Naturpark_Habichtswald>
<https://de.wikipedia.org/wiki/Bauna>

 

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